Die 2. Porzellanbiennale Meißen öffnet am 12. August

Meißen. Vom 12. August bis 4. November 2018 wird die Albrechtsburg Meissen zum Schaufenster zeitgenössischer Porzellankunst. 31 Porzellankünstler aus Deutschland, Polen, den Niederlanden, aus Dänemark, Italien, Belgien, der Tschechischen Republik und der Schweiz präsentieren dann ihre filigranen künstlerischen Werke aus Porzellan zur 2. Porzellanbiennale in Meißen. Gezeigt werden die Kunstwerke in sechs Ausstellungsräumen der Albrechtsburg Meissen. 1710 war in dieser die erste Porzellan-Manufaktur Europas eingerichtet worden.

Ausgerichtet wird die Porzellanbiennale Meißen vom Verein zur Förderung zeitgenössischer Porzellankunst e.V. in Zusammenarbeit mit der Albrechtsburg Meissen. „2016 haben wir erstmals das Wagnis unternommen, Porzellankünstler aus Europa zu einer solchen Leistungsschau nach Meißen einzuladen“, sagt der Meißener Porzellankünstler Olaf Fieber, einer der Initiatoren der Schau. „Die Resonanz bei den Künstlern wie bei den Besuchern unserer Ausstellung ließen uns diese Idee weiterverfolgen.“ „2016 hatten wir Künstler nach Meißen eingeladen, die mit dem keramischen Material Porzellan experimentieren und sich auf dem Gebiet der bildenden Kunst schöpferisch betätigen“, so Olaf Fieber. In diesem Jahr hat die Jury vor allem Werke ausgewählt, die durch ihre Handwerklichkeit brillieren und sich der bildenden Kunst verpflichtet fühlen. „Beispielhaft hierfür stehen die akribisch geritzten Objekte Koreaners Jong-Min Lee und des polnischen Künstlers David Żynda.“

Die Biennale ist offen für alle künstlerischen Ausdrucksformen mit dem Material Porzellan, ausgenommen sind seriell hergestellte Kunstwerke. Die Ausstellung versteht sich als eine Hommage an den Künstler, der sich in einer immer schnelllebigeren Zeit einem langwierigeren und schwierigen kreativen Schaffensprozess widmet. Angelika Brüheim-Köhler aus Krefeld wird Werke präsentieren, in denen sie sich der Spannung zwischen fest definierten, fast architektonischen Körpern und amorphen, unregelmäßigen und gewachsenen Strukturen beschäftigt. Ihre Porzellanplastiken in mattweißem Biskuitporzellan spielen auf dem Oberflächenrelief und in den amorphen Vertiefungen lebhaft mit Licht und Schatten. Gisella Cordara experimentiert vor allem mit Raku- und Rauchbrand sowie mit Porzellan. Ihre Porzellanobjekte wurden aus strukturiertem Papier-Porzellan handaufgebaut. Diese, entweder in Weiß oder in delikat kontrastierenden Pastellfarben von eingemischten Farbkörpern gehalten sind zu einem Ensemble zusammengestellt.
Beim Betrachter rufen sie eine Assoziation mit einigen Stillleben-Bildern eines Morandi hervor. Rona Kobel nutzt Tradition und Kostbarkeit, Idylle und Zerbrechlichkeit, Reinheit und Schönheit des Porzellans für ihre Arbeiten. „Das Material Porzellan ist stark mit dem Bild einer heilen Welt verbunden und eignet sich sehr gut, um die Brüchigkeit und das Aus-den-Fugen-Geraten, das wir momentan erleben, zu thematisieren“, sagt sie. In ihren Arbeiten nutzt sie diese Eigenschaften und kehrt sie zugleich ins Gegenteil, indem sie das weiß glänzende Material mit unerwarteten Inhalten auflädt und somit eine Irritation erzeugt. Für Maria ten Kortenaar (Niederlande) ist Porzellan ein Medium, mit dem sie ausdrückt, was sie im Alltag wahrnimmt und empfindet. Glück, Sonnenuntergänge, regnerische Tage, Landschaften, die Sie im wirklichen Leben beobachtet, finden sich in ihren Kunstwerken wieder. Katarzyna Koczyńska-Kielan aus Wrocław bringt die Erfahrung des Raumes auf transzendentale Gedanken. Der Ton ist für sie ein Werkstoff, der wie kein anderer mit der Erde verbunden ist. Mit seiner natürlichen Farbe und Konsistenz, mit seiner sandig-steinigen Struktur ist er für sie eine Inspiration. Ein wichtiger Aspekt der künstlerischen Spannung ist die Struktur der Materie.

Erstmals kooperiert der Verein zur 2. Porzellanbiennale mit dem Porzellanikon im fränkischen Selb. „Interessant in dieser Kooperation sind die unterschiedlichen Ansätze, die Selb und wir zum Thema Porzellan haben“, so Olaf Fieber. Während der Verein zur Förderung zeitgenössischer Porzellankunst den freien Ansatz zum Thema Porzellan und das Unikat in den Mittelpunkt stellt, ist es beim Porzellanikon Selb das Industrieporzellan und dessen Kulturgeschichte.
Die Ausstellung wird in sechs Ausstellungsräumen der Albrechtsburg Meissen täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen sein. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit allen Werken und Künstlern. Ziel der Organisatoren der Porzellanbiennale Meißen ist es, das Porzellan als Kulturgut im Kontext internationaler Einflüsse neu zu bewerten, zu erhalten und weiterzuentwickeln sowie innovative Impulse zu setzen. Meißen, mit seiner über 300jährigen handwerklichen und künstlerischen Porzellangeschichte und -gegenwart ein prägendes Synonym für Porzellan, impulsgebend zu positionieren, halten die Ausstellungsmacher für unabdingbar.

Der Verein zur Förderung zeitgenössischer Porzellankunst e.V. selbst unterhält im Torhaus zur Albrechtsburg, gefördert von der Stadt Meißen, eine eigene Galerie mit Werken der Künstlergruppe »Weißer Elefant«. Diese Ausstellung wird zur Biennale ebenfalls ein Ort der Begegnung der Porzellankünstler sein.

Foto: Sylvio Dittrich

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