Autohaus Inhaber und KFZ-Meister Holger Schmidt mit klarem Statement zur Diesel-Diskussion

Die Verunsicherung beim Autokauf ist groß und die Informationslage unübersichtlich: Lohnt es sich auch im Jahr 2017 einen Diesel anzuschaffen? Muss ich auch in der Region zwischen Dresden und Leipzig mit Fahrverboten rechnen? Sortiert man jedoch ganz nüchtern die Argumente, wird offensichtlich, dass ein unmittelbarer Abgesang auf die Dieseltechnologie verfrüht ist. Im Interview mit dem Geschäftsführer der Autohaus Schmidt GmbH, Holger Schmidt, erörtern wir die wichtigsten Fakten rund um die stark angegriffene Dieseltechnologie.

Zur Zeit ist keine Diskussion im Kfz-Bereich heißer, als die Frage nach der Zukunft des Diesels. Wie beurteilen Sie die Debatte?

Holger Schmidt: Auf jeden Fall bin ich irritiert wie emotional und einseitig die Stoßrichtung bei einigen Medien ist. Branchennahe Medien wie die Auto-Zeitungen versuchen die Diskussion zu versachlichen – immerhin gibt es etliche Fakten, die man einfach kennen muss um sich ein Urteil über den Diesel erlauben zu können.

Dann gleich zur Sache. Ist der Diesel besser als sein Ruf?

Holger Schmidt: Dieselmotoren der neuesten Generation erfüllen alle vom Gesetzgeber geforderten Vorgaben. Unerwünschte Emissionen wie Feinstaub oder die oft angeführten Stickoxide werden klar unterschritten. Der moderne Dieselantrieb ist sogar in der Summe seiner Eigenschaften nach wie vor der umweltfreundlichste Antrieb. Vergleicht man die CO² Bilanz von der Herstellung bis zum Betrieb auf der Straße ist der Diesel gegenüber der Elektromobilität deutlich besser als reine Elektroaggregate.

Also halten Sie den Diesel für eine Zukunftstechnologie?

Holger Schmidt: In dieser Frage sind totalitäre Aussagen und Behauptungen deplatziert! Meiner Meinung nach ist der Selbstzünder eine ausgereifte Technologie die gerade für Vielfahrer nach wie vor erste Wahl sein kann. Aktuell gilt die Euro 6 Norm. Bereits mit der Einführung der Skyactiv-Technologie von Mazda im Jahr 2012 erfüllten alle Dieselmotoren die heute geltenden Grenzwerte. Im Rahmen der Euro 6 Norm dürfen Fahrzeuge maximal 80mg/km an Stickoxiden produzieren. Hier hat unser Hersteller den richtigen Riecher gehabt. Mazda setzte bei seinen Dieselaggregaten auf ein Konzept mit der niedrigsten Verdichtung aller aktuell verfügbaren Turbodieselmotoren. Das führt zu einer Verbrennung bei niedrigen Temperaturen, was wiederum zu geringeren Stickoxid-Emissionen führt. Auch andere Hersteller haben sehr viel Know-How auf die Weiterentwicklung der Technologie angesetzt.

Stichwort Stickoxide: Das Vertrauen in die Ermittlung der Werte wurde durch Dieselgate schwer erschüttert!

Holger Schmidt: Richtig. Deshalb musste das bisherige Verfahren, die Messwerte auf einem Prüfstand zu ermitteln, auch grundlegend verändert werden. In Zukunft werden die Emissionen unter deutlich realeren Bedingungen ermittelt. Bereits ab dem 1. September 2017 verlangt der Gesetzgeber bei neuen Modellen und ab dem 1. September 2018 bei allen Neuzulassungen die Einhaltung der dann als EURO 6c genannten Norm. Das neue Testverfahren (WLTP) ist gegenüber dem aktuellen (NEFZ) wesentlich praxisnäher. Noch weiter geht die Einführung eines NOx-Messverfahrens. Unter realen Fahrbedingungen darf der NOx-Ausstoß dann maximal um den Faktor 2,1 über dem oben beschriebenen WLTP-Prüfstandart liegen. Bei Dieselfahrzeugen also bei maximal 168 statt 80mg/km. Dieses zweite Prüfverfahren, das dann unter EURO 6d kommuniziert wird, gilt für alle neuen Modelle ab 1.September 2017 und für alle Fahrzeuge dann zwei Jahre später. Übrigens werden alle Skyactiv Mazda Modelle diese Anforderungen sicher erfüllen! Aber auch etliche andere Automarken haben hier ihre Hausaufgaben gemacht.

Aber was ist mit den geplanten Fahrverboten?

Holger Schmidt: Vorsicht. Hier muss man noch mal klar unterscheiden. Großstädte wie Hamburg oder Stuttgart diskutieren als hoch belastete Städte Fahrverbote für Diesel- und Benzinfahrzeuge, welche nicht die EURO 6 Norm erfüllen! Hier reden wir also vor allem über Nutzfahrzeuge und alte Diesel-PKW. Unsere Marke erfüllt mit seinen Dieselaggregaten bereits seit 2012 alle Anforderung für die EURO 6. Moderne Diesel betrifft also Folgerichtig die ganze Hysterie überhaupt nicht. Es wird sogar schon darüber diskutiert ob für die aktuellen Selbstzünder eine blaue Plakette eingeführt wird.

Halten Sie auch beim Thema Feinstaub an ihrer Meinung fest?

Holger Schmidt: Sicher. Die Feinstaubpartikel sind eine konkrete und nicht wegzudiskutierende Gefahr für die Gesundheit. Aber man muss auch einmal darüber nachdenken wie sich die Feinstaubmenge in unseren Städten zusammensetzt! Klar. Es ist kein falscher Ansatz darüber nachzudenken alte Diesel, die man leider vor allem im gewerblichen Bereich findet auszusperren. Aber dann muss man auch über alte Benzinfahrzeuge nachdenken. Sehen Sie, wenn man sich genau anschaut wie sich die Feinstaubmengen zusammensetzen, stellt man fest, dass Verbrennungsmotoren nur einem geringen Teil der Gesamtmenge verursachen. Industrieabgase, Abrieb von Reifen und Bremsen und vor allem sogenannte Komfort-Öfen (in Wohnungen und Häusern) die fossile Brennstoffe nutzen, haben einen wesentlich bedeutenderen Anteil an der Misere.

Ihr Fazit?

Wollen wir national und international unsere Klimaziele erreichen, die mir als dreifacher Vater, sehr wichtig sind, ist es unabdingbar Übergangstechnologien wie die immer besser ausgereiften Selbstzünder nicht zu verdammen. Der wesentliche Verbrauchsvorteil des Diesels bleibt bestehen und Vielfahrer sind mit einem solchen Fahrzeug nach wie vor auf der richtigen Fährte. Viele Automarken arbeiten an Elektro- und Hybridtechnologien und allein der enorme Konkurrenzdruck in der Branche wird dafür sorgen, dass der Verbraucher immer umweltschonendere Fahrzeuge angeboten bekommt. Vergleicht man den CO² Ausstoß bei der Produktion eines Verbrennungsfahrzeuges mit der eines Elektrofahrzeuges muss man eigentlich erkennen, dass wir mit der Verdammung unserer aktuellen Technologie nicht weiter kommen. Für die Herstellung eines Verbrennungsfahrzeuges fallen circa 5 Tonnen CO² an. Ein Elektrofahrzeug wird mit circa 10 Tonnen produziert. Folglich muss ein Elektrofahrzeuge mehrere Jahre fahren um die Umweltbilanz überhaupt auszugleichen. Die Technologien gegeneinander auszuspielen ist also vollkommen unangemessen.

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