„Wir sind keine typisch linkspolitisch-orientierte Band.“

Der Auftritt von Frei.Wild im Rahmen Ihrer OPPOSITION XTREME TOUR 2016 am 19. März um 20 Uhr in der SACHSENarena ist ohne Zweifel eines der Konzert-Highlights des Jahres. Frontmann und Sänger Philipp „Fips“ Burger redet offen über politische Diskussionen über die Band und den Stellenwert von Livekonzerten.


Elbgeflüster: Insbesondere in Deutschland gibt es häufig politische Diskussionen um Eure Band. Versteht Ihr Euch denn auch als politische Band oder nerven Euch diese Diskussionen?  Philipp: Ganz vorneweg, politische Diskussionen gibt es überall, nicht nur in Deutschland. So ziemlich alle Themen die die Menschheit in irgendeiner Form betreffen, werden ad „Politicum“ geführt. Von dem her ja, werden auch wir immer auch Teil eines politischen Diskurses sein, wie im Übrigen die meisten anderen Acts auch, zumindest von denen die eine gewisse Lebenseinstellung vertreten. Solange der Mensch von seinem Naturell her meint, so ziemlich alles zu verstehen, per se im Recht zu sein und bei den anderen schnell Unrecht erkennt, wird diskutiert. Frei.Wild ist zudem keine typisch linkspolitisch-orientierte Band, wie die meisten der tausenden anderen Künstler in Deutschland, allein schon deshalb bilden wir einen Reibepunkt. Dass wir eine gewisse konservative Werterhaltung vertreten und das viele Medien und Kollegen als was völlig Untragbares sehen, wissen wir und genau das müssen wir auch in Kauf nehmen.

FW_Bandshots-3_swElbgeflüster: Ihr setzt Euch in einigen Liedern auch mit dem Begriff „Heimat“ auseinander. Durch die massiven Zuwanderungen in der EU fürchtet viele um ihre heimische Identität. Glaubst Du, dass sich die EU in den kommenden zwanzig Jahren stark verändern wird? Philipp: Ja, Europa wird sich verändern, egal ob man es gutheißt, nicht gutheißt oder einfach gar keine Meinung dazu hat. Wir, die im Begriff Heimat so ziemlich alle wichtigen positiven Befindlichkeiten bündeln und von klein auf gelernt haben, welch hohes Gut darin liegt, erkennen, dass dieses vorher schlecht geredete Grundbedürfnis wieder an Bedeutung gewinnt. Das erfreut uns, eine gesunde, aber nicht ausgrenzende Haltung zu seiner Identität war längst überfällig. Es ist uns wichtig, dass Heimat auch als absolutes Gegenteil von einem ausgrenzenden Begriff verstanden wird und dennoch: Nur eine in sich vertraute- verbundene Gesellschaft schafft es auch, neuen Kulturen mit der notwendigen Selbstsicherheit zu begegnen. Der gerade europaweit eingeschlagene Weg birgt sehr viele Schlaglöcher, auf allen Seiten. Die EU ist grundsätzlich eine gute Gemeinschaft, nur der Schwerpunkt liegt hier auf GEMEINSCHAFT. Alleingänge, Selbstherrlichkeit und geschichtliche Wiedergutmachungsversuche sind leider ebenso fehl am Platze, wie totale Abschottung und Pauschalisierung. Solche großen Aufgaben wie Europa sie derzeit zu stemmen hat, können nur dann funktionieren, wenn Entscheidungen eben gemeinsam getroffen werden und nicht im Alleingang.

Elbgeflüster: Rebellion scheint bei Euch ein zentrales Thema zu sein. Philipp: Definiere Rebellion!? Wenn es heißt grundsätzlich „dagegen zu sein“, dann nein! Wenn es heißt, “seinen Mund aufzumachen und für Gerechtigkeit einzustehen, sich dabei auch in den Gegenwind zu stellen“, dann ja! Man muss nicht alles gut finden, was einem diktiert wird, nein, konkreter noch, man muss immer hinterfragen und wenn nötig, auch aufstehen und laut werden. Wenn man sachliche Argumente vorzubringen hat, dann darf/ soll man diese auch vehement äußern. Wenn man es nicht tut, dann darf man sich im Nachhinein auch nicht beschweren, wenn etwas nicht rund läuft. „Hab ich es doch gewusst“ als Aussage reicht einfach nicht.

Elbgeflüster: Historisch bedingt ist Euer Verhältnis zu den Medien zwiespältig, weswegen Ihr auf www.die-macht-der-medien.de unter anderem Daten/Fakten zu Eurer Band hinterlegt habt. Hat sich aus Eurer Sicht die objektiven Berichterstattungen über Euch verbessert? Philipp: Ja, sie hat sich verbessert und dennoch sorgen diverse Vertreter immer wieder dafür, dass man ihnen schlichtweg Manipulation vorhalten muss. Wie gesagt, nicht allen. Man muss aber sicher betonen, dass in Bezug auf Frei.Wild auch mehr und mehr seriöser Journalismus betrieben wird und man sogar objektive Berichte findet. Sowas freut natürlich und ja, die Macht der Medien hat sich in Bezug von Frei.Wild irgendwo auch als begrenz gezeigt.

Elbgeflüster: Ihr habt bereits vier Live-Alben veröffentlicht. Das legt den Verdacht nahe, dass Studioalben für Euch quasi ein „Mittel zum Zweck“ sind, um wieder auf der Bühne stehen zu können. Philipp: Das ist nahezu korrekt! Vornehmlich sind wir eine Liveband, die neues Material kreiert, welches sie dann live und in Farbe auf die Bühnenbretter dieser Welt transportieren möchte. Wir begeben uns liebend gerne in die Händemeere, hören die lauten Chöre und atmen den Duft des Adrenalins und Schweißes. Live ist und wird immer die Erfüllung der Band Frei.Wild bleiben. Da pflegen wir den Familiencharakter.

Elbgeflüster (Frage von einem Fan): Ihr seid ja sehr erfolgreich, wie kriegt Ihr alles eigentlich unter einem Hut? Viel Zeit bleibt da sicher nicht übrig, um Freizeit & Familienglück auch mal genießen zu können. Philipp: Da ist viel Wahres dran, leider, manchmal wünschte ich mir in der Tat etwas mehr Fußball, etwas mehr Skifahren und „Tresenbesichtigung“ (lacht). Im Großen und Ganzen ist es mir aber wirklich am Wichtigsten, für meine Frau und meine Kinder da zu sein und diese Zeit auch zu genießen. Das Problem ist, diese Band ist irgendwo noch heute mein allerliebstes Hobby, egal ob man sie professionell lebt oder wie früher, als Ausgleich hat. Gibt wie gesagt weitaus Schlimmeres, als die Kombination Familie und Band, weil beide Begriffe zusammengehören und zusammengewachsen sind.

Elbgeflüster: Schenk uns zum Abschluss bitte eine Lebensweisheit.
Philipp: Nichts kommt schlimmer als erwartet.

Fotos: Holger Fichtner

|| 06.03.2016

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