„Medien waren anfangs völlig hilflos, uns musikalisch einzuordnen!“

Dieter Thomas Kuhn & Band versetzen am 13. Juli die Filmnächte am Elbufer in einen musikalischen Schlagerausch.


Elbgeflüster: Wie darf man denn Deine Shows interpretieren, als pure Liebe zum Schlager oder auch mit einem Augenzwinkern als eine charmante Parodie? Dieter Thomas Kuhn: Das darf jeder für sich entscheiden, wobei das Augenzwinkern von Anfang an immer dabei war. Wir wollten aber die Schlagerszene nie lächerlich machen und die Liebe zur Musik hat sich im Laufe der Jahre immer mehr gesteigert.

Elbgeflüster: Früher war Schlager per se spießig und mittlerweile gewinnen Schlager-Barden sogar DSDS? Woher kommt dieser erstaunliche Wandel? Dieter Thomas Kuhn: Ich kenne mich ehrlich gesagt mit der modernen Schlagerszene überhaupt nicht aus, wobei man an Helene Fischer aber natürlich nicht vorbeikommt. (lacht) Den Trend, dass auch jüngere Schlager hören, haben aber quasi wir gesetzt, denn bereits vor rund 25 Jahren haben wir ein neues Publikum an diese Musikrichtung herangeführt – und das war eine sehr lustige Begebenheit!

Elbgeflüster: Was war denn bei Dir die Schlager-Initialzündung? Dieter Thomas Kuhn: Ich hatte anfangs ein Projekt, bei dem ich italienische Songs sang und aus dieser Idee sind dann die Schlagerkonzerte entstanden, denn viele Klassiker gab es ja in beiden Sprachen. Es lag also nicht nur nahe, es machte auch unglaublich viel Spaß und lag uns einfach. Bis heute bilden daher Schlager der 70er das musikalische Kernprogramm, wobei wir auch immer wieder ältere und modernere Songs miteinbinden und neu interpretieren.

Elbgeflüster: Kritiker bezeichnen Dich mitunter als „Papst des schlechten Geschmacks“. Verstehst Du als Kompliment? Dieter Thomas Kuhn: Medien waren anfangs einfach völlig hilflos uns musikalisch einzuordnen, denn wir machten ja Musik, die man eigentlich vergessen wollte plötzlich wieder populär. (lacht) Daher sind diese Titulierungen entstanden, was ich auch völlig in Ordnung finde, denn Ironie ist ja auch ein Thema bei uns.

Elbgeflüster: Du legst großen Wert darauf, dass Deine Konzerte eine Art familiäres Happening für „Kuhnis“ sind. Wie darf man sich das vorstellen? Dieter Thomas Kuhn: Zunächst einmal freut es mich ungemein, dass wir teilweise vor über 20.000 Leuten spielen, wobei das natürlich nicht von heute auf morgen passierte. Diese besondere Festival-Stimmung mit Hippie-Atmosphäre ist auch bis heute keine Gewohnheit für uns. Die Zuschauer feiern dabei nicht nur die Musik, sondern auch sich selbst, gerade wenn wir Open Air spielen. Man trifft hier einfach viele Gleichgesinnte und das sind beileibe nicht nur Ü30-Fans, die mit uns mitgewachsen sind, sondern auch viele jüngere. Die Faszination dieses Happenings hat sich jedenfalls nie verändert.

Elbgeflüster: Viele Künstler ergreifen während eines Konzerts gerne das Mikrofon, um politische Botschaften zu verbreiten. Hast Du das schon mal getan? Dieter Thomas Kuhn: Ja, aber ich sehe mich nicht als Prediger, sondern in erster Linie als Unterhalter und Sänger. Aber in der heutigen Zeit ist eine politische Botschaft durchaus angebracht, gerade im Bereich Rassismus. Aber das sind eher Ausnahmen, denn Fans von uns sind ohnehin Fans der Menschlichkeit.

Elbgeflüster: Was hörst Du eigentlich abseits der Bühne? Dieter Thomas Kuhn: Ich bin aufgewachsen mit Pink Floyd oder Led Zeppelin, obwohl die Musik eigentlich eine Generation vor mir. Meine älteren Geschwister haben das aber gehört, sodass es zu meiner musikalischen Sozialisation wurde. Mit Barbra Streisand verbindet mich sogar eine unsterbliche Liebe – und dafür wurde ich früher immer ausgelacht.

Elbgeflüster: Bist Du sehr enttäuscht, dass Dich Fans „nur“ in der Rolle des Schlagersängers lieben? Dieter Thomas Kuhn: Überhaupt nicht, denn durch einige zwischenzeitliche Projekte über sieben Jahre lang habe die wichtige Erkenntnis bekommen, dass mir etwas fehlte. Ernsthafte Popmusik macht mir einfach keinen Spaß. Auch das Feedback von den Fans, dass Ihnen der „wahre“ Dieter Thomas Kuhn schlichtweg fehlte, war für mich eine sehr wichtige Erfahrung als Wertschätzung der Schlagermusik.

Elbgeflüster: Schenke uns bitte zum Abschluss bitte eine Lebensweisheit. Dieter Thomas Kuhn: YOLO! („you only life once!“)

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