„Wir erleben jetzt das Ende des physikalischen Tonträgers!“

Der Kölner Singer-Songwriter Purple Schulz präsentiert am 15. August um 19.30 Uhr im Boulevardtheater Dresden sein musikalisches Lebenswerk in Form seines aktuellen Albums „NACH WIE VOR“.


Elbgeflüster: Sie stehen bereits seit 35 Jahren auf der Bühne. Was hat sich bei der Musiklandschaft allgemein am stärksten verändert?
Purple Schulz: Es sind sogar 46 Jahre, die ich schon auf der Bühne stehe. Und es hat sich seitdem eigentlich alles verändert. Heute kann jeder mit Digitaltechnik im Wohnzimmer Musik produzieren. Das Problem ist, dass es auch jeder macht (lacht). Dank Internet kann man diese Musik der ganzen Welt präsentieren. Aber die größte Veränderung erleben wir gerade jetzt: Während die Produktion und der Verkauf von Langspielplatten, Musikcassetten und CDs früher für Künstler oberste Priorität hatte und deren Existenz sicherte, erleben wir jetzt das Ende des physikalischen Tonträgers, weil dessen Abspielgeräte einfach abgeschafft werden. In einem neuen Auto gibt es keinen CD-Player mehr und Notebooks kommen schon lange ohne Laufwerk aus. Das stellt viele Künstlerinnen und Künstler vor existenzielle Probleme, denn von Streaming-Einkünften kann der überwiegende Teil nicht leben.

Elbgeflüster: Das aktuelle Album „NACH WIE VOR“ ist eine Zeitreise durch all Ihre Hits in einem neuen klanglichen Gewand. Wie war da die Herangehensweise?
Purple Schulz: Tatsächlich sind mit „Sehnsucht“ und „Kleine Seen“ nur zwei richtige Radiohits auf dem neuen Album. Es ging mir nicht um eine weitere Hitcompilation. Ich wollte die Songs aufnehmen, die mir nach 35 Jahren nach wie vor wichtig sind. Das ist also meine ganz persönliche Auswahl, die nicht nach Radioeinsätzen schielt, sondern die Geschichten in den Vordergrund stellt. Dazu habe ich den Fokus auf die Texte gelegt. Damals, als die Songs ursprünglich geschrieben worden sind, entstanden die Texte immer erst auf die bereits geschriebene Musik. Nun war es genau andersrum. Und dabei haben sich die Stücke sehr verändert. Die Songs eröffnen ganz neue Perspektiven und klingen jetzt so, als seien sie letzte Woche erst geschrieben worden.

Elbgeflüster: Sie sind auch bekannt geworden durch eher düstere Songs, wie „Sehnsucht“ – grandioser Song übrigens! – und haben auch die Demenz ihres Vaters musikalisch verarbeitet. Ist Musik auch eine Art Herzschrittmacher und Therapeut für Sie?
Purple Schulz: Ich glaube, dass Musik für alle Menschen genau diese Funktion hat. Ich kann mein Publikum im Konzert ohne Mühe 30 Jahre zurückversetzen, aber ich kann auch- und das ist es, worum es mir geht!- das wahre Leben zurück in die Konzertsääle holen. Unterhaltung schließt eine Haltung ja nicht aus. Ich lulle mein Publikum nicht ein, sondern begegne dem Leben mit all seinen Höhen und Tiefen immer mit Humor, denn ohne Humor ist es ja nicht auszuhalten.

Elbgeflüster: Apropos „Sehnsucht“. Ist die Legende richtig, dass Discjockeys in der DDR hinter Gittern landeten, wenn sie diesen Song spielten?
Purple Schulz: Mir hat diese Geschichte tatsächlich ein DJ erzählt, dem genau das passiert ist. Im Zusammenhang mit dem Song „Sehnsucht“ habe ich übrigens so viele persönliche Erlebnisse erzählt bekommen, dass man damit ein ganzes Buch füllen könnte. In meinem Buch „Sehnsucht bleibt“ bin ich vor einigen Jahren übrigens der Frage nachgegangen, welche Sehnsucht mich damals getrieben hat, diesen Song zu schreiben.

Elbgeflüster: Sie meinten einst, dass Sie Musik machen werden bis Sie umfallen. Dürfen wir Sie beim Wort nehmen? 😉
Purple Schulz: Soll ich gleich hier…? (lacht). Nein, im Ernst: ich liebe meinen Beruf. Und es heißt ja: wer seine Arbeit liebt, der hat keine mehr. Das einzig anstrengende in meinem Leben sind die vielen Stunden im Auto, darauf könnte ich getrost verzichten. Aber es hat auch einen großen Vorteil, im ganzen Land unterwegs zu sein und die verschiedenen Stimmungen hautnah mitzubekommen.

Elbgeflüster: Sie moderieren aber auch beim WDR 4 das Format „Songpoeten“ mit Purple Schulz“, um unbekannten Musikern Gehör zu verschaffen. Wie wichtig ist es Ihnen musikalischen Tiefgang zu vermitteln?
Purple Schulz: Je älter ich werde, desto weniger habe ich Lust mich mit Oberflächlichkeiten zu befassen. Der übliche und zugegeben teils sehr erfolgreiche Radiopop ist leider alles andere als innovativ. Aber jenseits der Rotationslisten der Sender gibt es so unglaublich gute und vor allem ganz unterschiedliche Songschreiberinnen und -schreiber, die etwas zu erzählen haben. Ich muss manchmal wie ein Trüffelschwein nach ihnen suchen, aber das liegt nicht daran, dass es so wenige sind. Es liegt daran, dass es überhaupt so viele Künstler gibt und das Angebot kaum noch zu überschauen ist. Ich bin dem WDR wirklich dankbar, denn sie lassen mir völlig freie Hand bei der Musikauswahl.

Elbgeflüster: Schenken Sie zum Abschluss bitte eine Lebensweisheit.
Purple Schulz: Als Kölsche Jung hätte ich da sogar sehr viele Weisheiten, aber die wichtigste ist: Nix is esu schlääch, als dat et nit för irjentjet joot is. (lacht) ((Übersetzung: Nichts ist so schlecht, als dass es nicht für irgendwas gut wäre.))

+++ Gewinnspiel +++ Gewinnspiel +++ Gewinnspiel +++ Gewinnspiel +++ Gewinnspiel +++ 

Wir verlosen unter allen Teilnehmern 1 x 2 Ehrenkarten.

Mitmachen ist denkbar einfach: Schicken Sie eine E-Mail mit dem Betreff „Purple Schulz“ sowie Ihre Kontaktdaten an: gewinnspiel (at) elbgefluester.de oder senden Sie eine Postkarte mit dem Stichwort „Purple Schulz“ an Elbgeflüster, Goethestr. 81, 01587 Riesa. Bitte eine Telefonnummer nicht vergessen. Einsendeschluss: 08.08.19. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Foto: Ben Schulz

|| 04.08.2019

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