„Der erste Ruhm hätte mich fast erschlagen!“

In „Rendezvous with Marlene“ nähert sich Weltstar Ute Lemper am 8. November um 20.00 Uhr im Ostra-Dome dem Mythos Marlene Dietrich.


Elbgeflüster: Ihr Programm „Rendezvous with Marlene“ darf man wörtlich nehmen. Erzählen Sie uns bitte die spannende Hintergrundgeschichte zur Tour.
Ute Lemper: Das Marlene Programm schläft und gärt schon lange in meinem Herzen und hat in diesem Jahr eine Gestalt gefunden. Angespornt durch drei Skripte von Theaterstücken und Filmen, die mir angeboten waren mit der Rolle der Marlene Dietrich, die ich furchtbar platt und stereotypisiert fand. Natürlich habe ich meine eigene persönliche Erinnerung an unser drei stündiges Gespräch 1988 in Paris aber ebenfalls meine eigene Perzeption und Faszination mit ihrer Legende. Diese Frau war einfach unglaublich. Sie war Weimar Kabarett Star, glamouröse Hollywood Diva und international gefeierte Sängerin. Sie war amerikanische Soldatin im 2. Weltkrieg gewesen, die die Truppen bezaubert hat inmitten der Misere des Krieges. Dafür hat sie die LEGION D“HONNEUR von den Franzosen, das Medaillon of VALOR von den Israelis, the MEDAL OF FREEDOM von den Amis und viele andere Auszeichnungen bekommen. Sie war Inspiration für viele Generationen von Frauen gewesen mit ihrer freien, unabhängigen, emanzipierten starken Fraulichkeit die gleichzeitig in maskuliner und androgyner Allüre mit Sexualität und stereotypem Geschlechterverständnis spielte. Sie traute sich wie ein Boss zu denken, und sich gleichzeitig als Lady Respekt zu verschaffen. Sie war gleichzeitig eine Femme Fatale und ein Manipulator. und dass in Zeiten, als die Frauen klar noch in die Rolle der Unterwerfung gezwungen waren. Sie führte eine offene Ehe und war crazy polygam…, sie war einfach Generationen voraus in ihrem Lebensstil und Haltungen.

Elbgeflüster: Wie nähert man sich denn solch einer Ikone?
Ute Lemper: Wir wissen, dass sie selbst 15 Jahre nach dem Krieg bis in die 90er Jahre in Deutschland als Vaterlandsverrätern verachtet wurde… In meinem Telefongespräch mit ihr hat sie mir viele Geheimnisse mitgeteilt und auch ihr Innerstes ausgeschüttet. Sie hat Rilke rezitiert, hat über ihren Gesangsstil gesprochen, ihrem Schmerz und ihrer Liebe zu ihrer Heimat, sie hat über ihre Tochter Maria gesprochen, die damals schon das furchtbare Buch über ihre Mutter geschrieben, es aber noch nicht veröffentlicht hatte. Sie hat über Lieder und Männer und Paris gesprochen… All das und viel mehr versuche ich in meinem Rendezvous mit Marlene zu erzählen und zu besingen. Ich imitiere nicht Marlene. Ich spreche mit unseren beiden Stimmen… ich verschmelze sozusagen mit ihr… ich spreche und singe durch sie mit meiner Stimme und gebe somit meine ganz persönliche Hommage an sie.

Elbgeflüster: Ihr Stern ging bereits in den 80er Jahren auf. Hat sich das Musical-Geschäft in den letzten Jahren stark verändert?
Ute Lemper: Ja damals gab es das Genre Musical nicht in Deutschland. Es gab mal die My Fair Lady am 3 Sparten Repertoire Theater und die Hauptrollen wurden meistens von klassischen oder Operetten Sängerinnen gespielt. Erst Ende der 80er Jahre ging es langsam los mit Cats in Hamburg und den ersten Klon Produktionen, die aus London oder den Staaten eingekauft wurden. Damals waren die meisten Darsteller ebenfalls “importiert “aus den englisch sprachigen Ländern. Die ersten Musical Schulen öffneten ihre Türen Anfang der 90er Jahre und langsam, aber sicher bildete sich ein neue Musical-Garde von Künstlern. Produktionsgesellschaften starteten einen eigenen deutschen Musical-Markt und man kann sagen , dass dieser nun sehr attraktiv und lukrativ geworden ist.

Elbgeflüster: Sie erhielten zwar 2017 vom Verband „Deutscher Musical Theater“ einen Ehrenpreis, große berufliche Erfolge erzielten Sie aber vor allem im Ausland. In mehreren Interviews ließen Sie auch ein ambivalentes Verhältnis zu Deutschland, bzw. zur deutschen Presse durchblicken. Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Geburtsland heute?
Ute Lemper: Es war ein langer teilweise wunderbarer, teilweise schmerzvoller Weg von 37 Jahren Karriere bisher. Die größten Erfolge passierten im Ausland. Cats in Wien. Cabaret in Paris. Chicago in London und am Broadway. Filme international produziert und gefilmt. Bühnen und Konzert-Projekte in der ganzen Welt. Die deutschen hängten sich meistens an diese attraktiven Geschichten dran und fanden trotzdem immer wieder Kritik. Das hat sich aber mittlerweile alles eingerenkt und ein sehr respektvolles und liebevolles Verhältnis hat sich etabliert. Ich bin sehr glücklich darüber. Immerhin ist Deutschland meine Heimat. Marlene durfte die Liebe ihrer Heimat nicht mehr erfahren in ihrer Zeit, dies darf ich nun für sie tun.

Elbgeflüster: Wenn man sich Ihre Vita anschaut, dann war diese Berufswahl ganz offenbar Ihre Bestimmung, oder gab es doch einmal einen Plan B?
Ute Lemper: Ja, ich hatte ebenfalls Lust Deutsch und Französisch zu studieren und Lehrer zu werden. Das waren meine Hauptfächer am Gymnasium gewesen und ich fand es toll Literatur zu lesen und zu diskutieren in meiner Sprache und auch in Französisch.

Elbgeflüster: Hatten Sie denn jemals einen Drang berühmt zu werden oder war das eher eine zwangsläufige Nebenerscheinung?
Ute Lemper: Der Ruhm kam wie ein Donnerschlag 1988 und hätte mich fast erschlagen. Es war unglaublich anstrengend plötzlich im Rampenlicht zu stehen. Ich kannte die Mechanismen der Presse überhaupt nicht und habe mich voll ausschöpfen lassen, ohne auf meine Kraft und auch Integrität zu achten. Erst langsam habe ich gelernt, alles auf Sparflamme zu setzen und mich vorsichtig und zensiert und kontrolliert zu geben. Auch auf meine eigene innere Stimme zu hören war sehr wichtig, denn viele Manager und Agenten versuchten mich als Produkt auf den Markt zu setzen. Ein Brecht an meiner Seite hätte mir wohlgetan!

Elbgeflüster: Schenken Sie uns zum Abschluss bitte eine Lebensweisheit.
Ute Lemper: Die furchtbarste Waffe ist das Wort.

Tickets ab 39 € an allen bekannten VVK-Stellen, auf www.adticket.de oder unter Tel. 0180 / 6050400.

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Wir verlosen unter allen Teilnehmern 1 x 2 Freikarten.

Mitmachen ist denkbar einfach: Schicken Sie eine E-Mail mit dem Betreff „Ute Lemper“ sowie Ihre Kontaktdaten an: gewinnspiel (at) elbgefluester.de oder senden Sie eine Postkarte mit dem Stichwort „Ute Lemper“ an Elbgeflüster, Goethestr. 81, 01587 Riesa. Bitte eine Telefonnummer nicht vergessen. Einsendeschluss: 20.10.19. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Foto: Lucas Allen

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