„Manchmal kann man im Brausebrand ein paar kesse Texte schreiben!“

Auch mit 72 Jahren ist Udo Lindenberg noch politisch unkorrekt, authentisch und originell. Jetzt hat der schnoddrige „Panikpräsident“ sein zweites MTV-Unplugged-Album aufgenommen. Diesen Mai geht er mit seinen größten Erfolgen zudem wieder auf Tour.


Elbgeflüster: Herr Lindenberg, der Film „Lindenberg! Mach Dein Ding!“ soll 2020 auf die Leinwand kommen. Er erzählt die Geschichte Ihrer Kindheit bis hin zu Ihrem Durchbruch. Wie gefällt Ihnen der junge Udo-Darsteller Jan Bülow? Udo Lindenberg: Jan Bülow ist ein begnadeter Stellvertreter auf Erden – päpstlich, prollig, primstenz. Hermine Huntgeburth hat mir ein paar Filme gezeigt und wir haben intensiv schnackedischnack gemacht. Der Frau vertraue ich. Wir sprechen dieselbe Sprache, wir sind Soul-Verwandte. Dieses Filmprojekt ist ein komplexes Ding, und sie kam zwischendurch immer an mit Castings und bezog mich mit ein. Die kennt sich mit Kino richtig gut aus. Jan Bülow spielt den jungen Udo, der als Liftboy nach Düsseldorf abgeordert wurde.

Elbgeflüster: Wie ist es ihm dort ergangen? Udo Lindenberg: Dort begann er eine Kellnerlehre und wusste noch nicht genau, ob es mit der Musik funktionieren wird. Für den Notfall lernte er einen ordentlichen Beruf, den des Schiffsstewards. Frisch vom Acker in die große weite Welt von Düsseldorf. Jan Bülow stellt mich dar bis zum ersten großen Erfolg, dem Auftritt hier in der Musikhalle. Sie drehen dort übrigens heute. Jetzt heißt es Laeiszhalle. Bei diesem Konzert ging es um alles. Entweder es heißt: „A Star is born“ oder sie sagen: „Er ist auf Platte gut, aber live kannst du ihn knicken“. Und dann ging es los.

Elbgeflüster: Wie erinnern Sie dieses für Ihre Karriere bedeutende Konzert von 1973? Udo Lindenberg: Damals konnte sich niemand vorstellen, ob Rock in Deutsch überhaupt funktioniert. Alle dachten, das sei eine rein angloamerikanische Sache. Deutsch eigne sich nicht als Straßenrocksprache. Ich hatte auch mal Englisch versucht, aber das ging nicht so gut, weil ich diese Sprache nicht wirklich drauf hatte. Ich sagte mir, es muss auf Deutsch gehen. Und auf meiner ersten deutschen Platte ging es dann auch schon ziemlich gut ab. Aber wir mussten auch zeigen, dass das Panikorchester mit der Nachtigall ein großes Bühnending ist.

Elbgeflüster: Bei Ihrem ersten MTV-Unplugged-Album „Live aus dem Hotel Atlantic“ sollen die Produktionskosten im deutlich siebenstelligen Bereich gewesen sein. Wie viel Aufwand haben Sie diesmal betrieben? Udo Lindenberg: Ja, das war schon sehr teuer. Wie teuer, weiß ich gar nicht genau, ich bin da sehr privilegiert. Wenn ich sage, wie ich es gern hätte, kümmern sich meine Plattenfirma und sonstige Partner um die Kohle, und ich mache einfach dieses geile Ding. In dem Making-Of-Film fahre ich mit dem Boot auf dem Atlantik rum und fantasiere, welche crazy Zeitgeister ich für diese Abenteuerreise gerne mit an Bord hätte. Ich wollte gerne Marteria dabei haben, und der kommt dann tatsächlich im Beiboot an. Und Julia und Angus Stone. Von denen hatte ich gehört, dass sie meinen Song „Durch die schweren Zeiten“ in ihr Konzertprogramm aufgenommen und in der Columbiahalle in Berlin vor 5000 Leuten gespielt haben. (singt das Lied mit englischem Akzent) Das ist eine große Geste! Und dann habe ich sie zu MTV Unplugged eingeladen. Und mein Kumpel Alice Cooper war gerade hier mit seinen Hollywood Vampires. Wir kennen uns schon lange aus LA und wollten schon immer mal was zusammen machen. Jetzt hat es endlich geklappt.

Elbgeflüster: Wissen Sie noch, welche von Ihren 35 Studioplatten Sie nüchtern und welche betrunken gemacht haben? Udo Lindenberg: Ja. Ich habe viel im Liegen gesungen, weil ich es bequemer fand. Ich war gut breit und lag dann sowieso schon. Lass das Mikro mal kommen, ich trällere heute im Liegen. Das klingt auch interessant. Aber vollbreit kriegst du die echte Offenbarung nicht hin. Manchmal kann man im Brausebrand ein paar kesse Texte schreiben, die werden dann nüchtern gegengelesen. Manchmal ist man aber zu weit rausgeschwommen, wenn es zu abstrakt geworden ist. Da kann keiner was mit anfangen. Ich lege Wert darauf, dass die Leute meine Texte auch schnallen. Gelegentlich schreibe ich auch nüchtern und knalle mir dann was rein. Manchmal ist mir das Resultat dann zu dröge. Man ist ja vom Wahnsinn geknutscht. Das muss immer in den Texten mit drin sein.

Elbgeflüster: In Ihrer Biografie „Udo“ gestehen Sie, dass Sie einmal im Waldorf Astoria in New York aus dem Fenster springen wollten. Was hielt Sie letztendlich davon ab? Udo Lindenberg: Ich dachte in dem Moment, das würde meiner Mutter auch nicht gefallen. Sie hätte andere Wünsche an ihren Sohn gehabt. Nämlich, dass er sich erholt von dem schweren Schock, den ihr Tod für ihn bedeutete. Meine Mutter war für mich eine extrem starke Bezugspersönlichkeit. Nach ihrem Tod ballerte ich mich ein paar Monate lang richtig weg, bis ich wirklich weiße Mäuse sah. Ich wusste nicht so richig weiter. Aber dann sagte ich mir, meine Mutter würde das nicht sehen wollen und meine Freunde auch nicht. Ich bin viel zu jung, um zu sterben. Und ich bin auf einer Mission.

Elbgeflüster: Auf welcher Mission sind Sie? Udo Lindenberg: Ich habe den Auftrag, geile Musik zu machen. Ich wusste ja, dass ich große Songs schreiben und großen Fusionen wie die Dröhnland-Show mit Peter Zadek hinkriegen kann. Das hat sich dann immer weiterentwickelt über die ganzen Revuen bis hin zu den Stadionkonzerten mit Ufos, die da um die Ecke zischen. Das ist ein Auftrag, da kannst du dich nicht einfach so verpissen und aus dem Fenster springen. So ein Talent verpflichtet auch. Man ist auserwählt von den Gottheiten im Schicksalsoffice, die solche Talente in seltenen Fällen vergeben. Das muss man schützen und pflegen und den Menschen weiterschenken. Und dann haben wir den schönen Film „Panische Zeiten“ gemacht, was wahnsinnig nervenaufreibend war. Ich wusste gar nicht, wie das geht, aber gerade deshalb haben wir Sachen gemacht, die man eigentlich nicht machen soll. Scheißegal. Sei ein Gesetzloser und breche die Gesetze, die du noch nicht mal kennst!

+++ Gewinnspiel +++ Gewinnspiel +++ Gewinnspiel +++ Gewinnspiel +++ Gewinnspiel +++ 

Wir verlosen unter allen Teilnehmern 1 x das neue MTV Unplugged Album.

Mitmachen ist denkbar einfach: Schicken Sie eine E-Mail mit dem Betreff „Udo Lindenberg“ sowie Ihre Kontaktdaten an: gewinnspiel (at) elbgefluester.de oder senden Sie eine Postkarte mit dem Stichwort „Udo Lindenberg“ an Elbgeflüster, Goethestr. 81, 01587 Riesa. Bitte Ihre Telefonnummer nicht vergessen. Einsendeschluss: 15.05.19. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ähnliche Beiträge

X

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen ein angenehmeres Surfen zu ermöglichen. Durch die weitere Nutzung stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen