Der bekannte Journalist Ulrich Wickert liest am 2. Oktober um 19.00 im Foyersaal vom Haus der Presse Dresden Auszüge aus seinem neuen Buch „Identifiziert Euch“.

Elbgeflüster: „Identifiziert Euch“ ist ein klarer Apell in Ihrem neuen Buch. Was ist Ihr Hauptanliegen?
Ulrich Wickert: Gerade die Deutschen haben es schwer mit dem Begriff der „nationalen Identität“. Entweder leugnen sie, dass es so etwas überhaupt gebe. Denn wir seien ja heute postnational ausgerichtete Europäer. Oder aber meinen, nationale Identität bedeute: Deutsch sein. Das ist aber sehr viel komplizierter. Ich will deshalb erklären, wie sich nationale Identität entwickelt, nämlich über die Jahrhunderte, wo sich die einzelnen Schichten absetzen wie die Sedimente im Ozean. Nationale Identität hat viel mit Vernunft zu tun. Dagegen wird der Begriff Heimat mit den Gefühlen verbunden. Und Heimat ist auch nicht ausschließlich der Ort der Herkunft. Wir müssen dieses Wort Heimat, das es übrigens inanderen Sprachen nicht gibt, neu definieren als den Ort, an dem wir uns zu Hause, wo wir uns sicher, wo wir uns gewollt empfinden. Ich habe das Thema dadurch entdeckt, dass ich einen Widerspruch feststellte: in Frankreich schrieb der Historiker Fernand Braudel ein dreibändiges Werk mit dem Titel „Die Identität Frankreichs“, und Bundespräsident Herzog sagte in seiner Rede zum 3.10.1994, eine nationale Identität gebe es nicht. Da habe ich nachgedacht, weshalb es zu solch unterschiedlichen Wahrnehmungen kommt.

Elbgeflüster: Wie handlungsfähig ist die GroKo nach all den Jahren von Zugeständnissen/Kompromissen noch?
Ulrich Wickert: Politik bedeutet im Fall einer Koalition immer Zugeständnisse und Kompromisse machen. Das liegt halt so im Wesen der Politik. Kompromisse zu machen ist auch keine Schande. Jeden Tag machen wir Kompromisse, sei es im Berufs- sei es im Familienleben. Vielleicht müssen wir wieder lernen, dass nicht alles nur schwarz oder weiß ist. Nicht jeder hat ausschließlich recht und die andern sind blöd.

Elbgeflüster: Demokratie lebt auch von Veränderungen. Ist eine Kanzlerschaft ohne zeitliche Begrenzung daher noch zeitgemäß?
Ulrich Wickert: In manchen Ländern sind die Amtszeiten beschränkt, in den USA zweimal vier Jahre für den Präsidenten, in Frankreich zweimal 5 Jahre. Ich finde das nicht schlecht.

Elbgeflüster: Schenken Sie zum Abschluss bitte eine Lebensweisheit.
Ulrich Wickert: Zeit meines Lebens habe ich mich von dem Motto treiben lassen: Beim Machen nie die Lust aus den Augen zu verlieren.

+++ Gewinnspiel +++ Gewinnspiel +++ Gewinnspiel +++ Gewinnspiel +++ Gewinnspiel +++ 

Wir verlosen unter allen Teilnehmern 1 x 2 Freikarten.

Mitmachen ist denkbar einfach: Schicken Sie eine E-Mail mit dem Betreff „Ulrich Wickert“ sowie Ihre Kontaktdaten an: gewinnspiel (at) elbgefluester.de oder senden Sie eine Postkarte mit dem Stichwort „Ulrich Wickert“ an Elbgeflüster, Goethestr. 81, 01587 Riesa. Bitte eine Telefonnummer nicht vergessen. Einsendeschluss: 20.09.19. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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