Gericht: Vorfahrt ist stets zu gewähren

Nürnberg (D-AH/js) – Ein abbiegender Lkw-Fahrer haftet vollkommen für einen Zusammenstoß mit einem Radfahrer auch dann, wenn dieser den Radweg entgegen der Fahrtrichtung fährt. So entschied das Oberlandesgericht Saarbrücken und erklärte die Schadensersatzansprüche einer Radfahrerin für berechtigt (Az. 4 U 69/14).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, fuhr eine Frau auf einem Radweg entgegen der Fahrtrichtung. Ein Lkw, der rückwärts in eine Hofeinfahrt einbiegen wollte, übersah die Radfahrerin. Daraufhin kam es zum Zusammenstoß und die Frau wurde von ihrem Fahrrad geschleudert. Obwohl sie einen Helm trug, erlitt sie einen Schädelbasisbruch. Sie verlangte deshalb Schadensersatz für alle entstandenen und zukünftigen Schäden ihres Sturzes. Der Lkw-Fahrer weigerte sich allerdings, schließlich sei die Frau entgegen der Fahrtrichtung unterwegs gewesen. Deshalb sei ihr zumindest eine Teilschuld anzulasten.

Das Oberlandesgericht Saarbrücken erklärte die Ansprüche der Radfahrerin für berechtigt. Dass die Frau entgegen der Fahrtrichtung unterwegs gewesen war, sei für den vorliegenden Fall nicht von Bedeutung. „Abbieger müssen allen anderen Fahrern die Vorfahrt gewähren, selbst Radfahrern, die auf der falschen Seite unterwegs sind“, erklärt Rechtsanwalt Robert Ackermann (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute) die gesetzliche Grundlage. Der Lkw-Fahrer habe das in dieser Situation nicht gewährleisten können. Er hätte sich nötigenfalls einweisen lassen müssen, um einen Unfall zu vermeiden. Er muss deswegen sämtliche Kosten des Unfalls übernehmen.

(18.06.2015)

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