Gericht: Andere Infektionsquellen sind unwahrscheinlich

Nürnberg – Werden im Leitungswasser Bakterien nachgewiesen, so haftet der Vermieter, wenn sein Mieter dadurch krank wird. Dabei muss nicht ausgeschlossen sein, dass er sich woanders angesteckt haben könnte. So entschied der Bundesgerichtshof (Az. VIII ZR 161/14).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, kam ein Mieter ins Krankenhaus, weil er sich mit der Legionärskrankheit infiziert hatte – einer schweren Lungenentzündung. Da diese durch Bakterien im Wasser verursacht wird, prüfte das zuständige Bezirksamt das Wasser in der Wohnung des Mieters. Es wies tatsächlich eine erhöhte Konzentration der Bakterien auf. Der Mieter erhob deshalb Klage gegen den Vermieter und forderte über 23.000 Euro Schadensersatz. Nach seinem Tod führte seine Tochter als Erbin die Klage weiter. Der Vermieter war sich jedoch keiner Schuld bewusst. Der Mann hätte sich auch anders anstecken können. Dieser Meinung schlossen sich Amts- und Landgericht an und wiesen die Klage ab.

Der Bundesgerichtshof war jedoch anderer Ansicht. Die Legionärskrankheit verbreite sich laut Gutachten hauptsächlich durch Wasserdampf in der Lunge. Deshalb sei es naheliegend, dass sich der Mieter zu Hause beim Duschen infiziert hatte. Zumal dort die Bakterien auch festgestellt wurden, andere Quellen im Umfeld des Mannes seien hingegen nicht bekannt gewesen. „Der Vermieter haftet nicht erst dann, wenn völlig ausgeschlossen ist, dass sich der Verstorbene woanders angesteckt haben könnte“, erklärt Rechtsanwalt Frank Böckhaus (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute). Der Bundesgerichtshof hob den Richterspruch auf und gab in zur erneuten Entscheidung zurück an die Vorinstanz.

(24.06.2015)

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