Thomas Richter ist DER Trödel- & Antiquitäten-Spezialist in der Region und stellte sein Wissen auch in TV-Formaten, wie „Die Trödelprofis“ (ZDF) oder „Schätze unter dem Hammer“ (Kabel1). unter Beweis. Im Interview spricht der gebürtige Riesaer über seine spannende Vita und politisches Engagement.

Elbgeflüster: Du bist regional mit mehreren Trödel & Antiquitätenmärkten vertreten. Wie bist Du denn mit in diese Branche in Kontakt gekommen?
Thomas Richter: Das war anfangs eher aus der Not heraus. Ursprünglich hatte ich ja mal als gelernter Landwirt das Ziel, in die Veterinärmedizin zu gehen. Als dann mit der Wiedervereinigung innerhalb sehr kurzer Zeit unsere alten Strukturen und Ideale, die wir bis dahin mit der Muttermilch aufgesaugt haben, durch ein neues System nahezu komplett ausgetauscht wurden, brach auch für mich erst mal eine Welt zusammen. Ich versuchte es mit mehreren Selbstständigkeiten, die auch mangels Lebenserfahrungen mehr schlecht als recht funktionierten. Falsche Freundschaften und Geschäftspartner taten ihr übriges.
Irgendwann fand ich mich auf einem Flohmarkt wieder, um private Dinge an den Mann zu bringen. Ich hatte zum damaligen Zeitpunkt mit meiner jetzigen Frau zwei kleine Kinder und es fehlte daheim am Nötigsten. Der Flohmarkt war für mich die Inspiration, weiterzumachen und nach dem dritten Besuch fing ich an, selbstständig eigene Märkte zu organisieren. Irgendwann bekam ich das Angebot, die damals leerstehende Teppichhalle zu mieten, damit fing alles an.

Elbgeflüster: Irgendwann ist schließlich eine TV-Produktionsfirma auf Dich zukommen. Wie war der erste Kontakt, bzw. der Einstieg in die TV-Welt?
Thomas Richter: Für mich war es gerade am Anfang sehr wichtig, sich erst mal regional bekannt zu machen. Irgendwann bekam ich darauf hin einen Anruf, ob ich nicht Interesse hätte, als Händler bei der Sendung “ Der Trödeltrupp “ einzukaufen. Es kamen über zwei bis drei Jahre immer öfter Nachfragen dieser Art, bis ich das große Glück hatte, mich bei der Sendung “ Schätze unterm Hammer “ auf Kabel 1 zu bewerben. Dort durfte ich als einer von fünf Händlern nicht nur kaufen, sondern auch mal dem Fernsehpublikum einige Dinge aus zweiter Hand erklären. Leider wurde diese Sendung mangels erforderlicher Quoten eingestellt. Letztes Jahr hatte ich noch mehrere Einladungen beim Trödeltrupp auf RTL 2 sowie beim ZDF mit Hallo Deutschland. Wie es in Zukunft bei mir und dem TV weiter geht, ist derzeit noch ungewiss.

Elbgeflüster: Mittlerweile gibt es zig vergleichbare TV-Sendungen, wie erklärst Du Dir diese starke TV-Präsenz?
Thomas Richter: Das ist leicht zu erklären: Da gibt es eine Idee, die funktioniert und sich daher auch gut vermarkten lässt. Natürlich schläft die Konkurrenz in der heute globalen digitalisierten Welt nicht und versucht, ein Stück vom Kuchen abzubekommen. In den letzten Jahren konnte man beobachten, dass mehrere Trödelsendungen nach kurzer Zeit wiedereingestellt wurden, da das Interesse daran zwar immer noch sehr groß, allerdings auch eine gewisse Reizüberflutung eingetreten ist. Hier sollte man aufpassen, dass die Zuschauer nicht durch zu viele Angebote irritiert werden, das könnte leider zu einem Desinteresse führen.

Elbgeflüster: Siehst Du Dich in der Rolle als eine Art Promi, weil Du nun auf der Straße des Öfteren erkannt wirst?
Thomas Richter: Hilfreich ist hier, dass sich mein Leben und Wirken in einer relativ überschaubaren Stadt wie Riesa abspielt. Natürlich wird man des Öfteren angesprochen oder erkannt, allerdings war das auch schon vor der TV-Zeit. Man sollte den Menschen auf der Straße das Gefühl geben, hier ist einer von uns, der spricht unsere Sprache auf unserer Wellenlänge. Wichtig ist immer, dass man seine Wurzeln kennt, Arroganz oder Selbstverherrlichung sind hier komplett fehl am Platz, Demut und Dankbarkeit finde ich da sehr viel angebrachter.

Elbgeflüster: Du bist aber nicht nur ein Trödel-Profi, Du engagierst Dich als gebürtiger Riesaer auch stark in der kommunalen Politik.
Thomas Richter: Seit einiger Zeit beobachte ich als gebürtiger Riesaer selbstverständlich auch das Geschehen in unserer Stadt. Wenn man sich das sehr hohe Durchschnittsalter und den systematischen Wohnungsrückbau, verbunden mit den ständig sinkenden Einwohnerzahlen mal neutral betrachtet, sehe ich hier dringenden Handlungsbedarf.
Allein schaffe ich das natürlich nicht, daher trat ich kürzlich in die FDP ein und versuche dort mit Rat und Tat, positive Aspekte für die Stadt Riesa zu erlangen. Um allen zu zeigen, dass es mir hier ernst ist, werde ich mich dieses Jahr auch zur Stadtratswahl stellen. Mal sehen, was kommt.

Elbgeflüster: Wie bewertest Du die aktuelle politische Situation im Landkreis Meißen?
Thomas Richter: Die Situation im Landkreis ist nicht viel anders als in Riesa. Ich bin erst zufrieden, wenn die Generation der Zukunft, damit meine ich vor allem die Altersgruppe 18 bis 30 Jahre, sich wieder zahlreicher in Riesa und Umgebung ansiedeln wird.
Natürlich muss hier die dazu passende Infrastruktur geschaffen werden, das geht aber nicht von heute auf morgen. Wie wir alle wissen, hat der ganze Landkreis nicht unbedingt die großen Geldrücklagen, ist damit auf Hilfe von Land, Bund oder auch Europa angewiesen. Hier gilt es, mit vernünftigen Konzepten das bestmögliche für unsere Region heraus zu holen. Lohnenswert ist der Standort allemal, er wurde nicht umsonst schon zu der Zeit unserer Großeltern als Verkehrsknotenpunkt zwischen Dresden und Leipzig erwähnt.

Elbgeflüster: Wo siehst Du aktuell den größten Handlungsbedarf?
Thomas Richter: Ich möchte zuerst einmal die Stadt Riesa vertreten, da es für den gesamten Landkreis sicher andere kluge Köpfe gibt. Eine vernünftige Autobahnanbindung Richtung Döbeln sollte, entgegen der Meinung einiger Privatpersonen, unumgänglich sein.
Unbedingt dran bleiben muss man beim Erhalt und Sanierung der Schulen, brachliegende Flächen dürfen nach Abriss von Wohnblöcken nicht als wildes Buschland verkommen, weitere Schaffung von Radwegen und, und, und…
Ein besonderer Wunsch, der sicher vielen Bürgerinnen und Bürgern unter den Nägeln brennt, warum sind wir nicht in der Lage, einen vernünftigen Weihnachtsmarkt mit Einbindung des Rathausplatzes zu organisieren?

Elbgeflüster: Schenk uns zum Schluss bitte eine Lebensweisheit. Thomas Richter: Lebe nach deiner eigenen Melodie des Lebens und tanze nicht nach den Noten der anderen, sonst kommst du ganz schnell selbst aus dem Takt.

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